Tagesgeld 3% bei Inflation 4%?
−1,00% Realrendite. Trotz positiver Zinsen verlierst du real an Kaufkraft.
Gib die Nominalrendite und die Inflation ein. Du siehst die Realrendite — das, was nach Kaufkraftverlust wirklich übrig bleibt.
Tagesgeld 3% bei Inflation 4%?
−1,00% Realrendite. Trotz positiver Zinsen verlierst du real an Kaufkraft.
ETF-Rendite 7% bei Inflation 2%?
+5,00% Realrendite (Näherung). Exakt über Fisher: (1,07 ÷ 1,02) − 1 = 4,90%.
Festgeld 2,5% bei Inflation 2,2%?
+0,30% Realrendite. Deine Kaufkraft wächst kaum — nach Steuern oft sogar im Minus.
MSCI World ETF 8% nominal bei 2,5% Inflation — wie viel real?
+5,50% Näherung. Fisher: (1,08 ÷ 1,025) − 1 = +5,37%. Nach Aktien-Teilfreistellung und Abgeltungsteuer bleiben rund +3,93% real netto.
DAX 2022 mit −12,3% bei 6,9% Inflation?
−19,20% Näherung. Fisher: (0,877 ÷ 1,069) − 1 = −17,96%. Doppelter Verlust aus Kursverfall und Geldentwertung.
Bundesanleihe 10J zu 2,5% bei 2,0% Inflation?
+0,50% Näherung. Fisher: (1,025 ÷ 1,02) − 1 = +0,49%. Vor Steuern positiv, nach 26,375% Abgeltungsteuer real leicht negativ.
Was zählt, ist nicht die Zahl auf dem Kontoauszug, sondern was du dir am Ende davon kaufen kannst. Die Realrendite misst genau das: den Vermögenszuwachs nach Abzug der Inflation. Eine Anlage mit 4% Nominalrendite bei 4% Inflation hat real null gebracht — du hast genauso viel Kaufkraft wie zu Beginn, nur in mehr Euro ausgedrückt.
Für jede Anlageentscheidung gilt deshalb: die Nominalrendite ist die Werbung, die Realrendite ist die Wahrheit.
Im Alltag kursiert die einfache Subtraktion:
Realrendite ≈ Nominalrendite − Inflation
Sie ist hinreichend genau, solange beide Werte klein sind (unter rund 10%). Bei höheren Werten weicht sie spürbar von der korrekten Formel ab — der Fisher-Gleichung:
++Realrendite = (1 + n) ÷ (1 + i) − 1++
Dabei ist n die Nominalrendite und i die Inflationsrate, beide als Dezimalzahl. Der Unterschied wird mit steigender Inflation größer.
| Nominal n | Inflation i | Näherung n − i | Fisher (exakt) |
|---|---|---|---|
| 4% | 2% | 2,00% | 1,96% |
| 6% | 4% | 2,00% | 1,92% |
| 8% | 3% | 5,00% | 4,85% |
| 10% | 8% | 2,00% | 1,85% |
| 3% | 5% | −2,00% | −1,90% |
| 0% | 6% | −6,00% | −5,66% |
Bei 8% Nominal und 3% Inflation liegen beide Methoden 0,15 Prozentpunkte auseinander. Über 30 Jahre kumuliert das auf rund 4,5% Endvermögen — bei großen Beträgen ein vierstelliger Unterschied. Die Näherung reicht für die Schätzung im Kopf, der Vergleich auf dem Papier gehört zu Fisher.
Die jüngste Inflationsphase in Deutschland macht den Unterschied zwischen Nominal- und Realrendite drastisch sichtbar. Quelle: Destatis (Verbraucherpreisindex) und Deutsche Bundesbank.
| Jahr | Anlage | Nominal | Inflation DE | Realrendite (Fisher) |
|---|---|---|---|---|
| 2022 | Tagesgeld | 0,5% | 6,9% | −5,99% |
| 2022 | DAX | −12,3% | 6,9% | −17,96% |
| 2023 | DAX | +20,3% | 5,9% | +13,60% |
| 2024 | Tagesgeld Top | 3,5% | 2,2% | +1,27% |
Wer 2022 sein Erspartes auf dem Tagesgeldkonto liegen ließ, verlor real fast 6%. Das ist kein theoretischer Buchverlust — es ist ein konkreter Verzicht auf Kaufkraft. Cash war in 2022 die schlechteste Anlageklasse, obwohl sie nominal positiv blieb.
Die Realrendite ist nicht die letzte Stufe. Zwischen der Bruttorendite und dem realen Vermögenszuwachs liegen drei Hürden, die jeden Sparer treffen.
Beispiel Tagesgeld 4% bei 3% Inflation, Sparer-Pauschbetrag bereits ausgeschöpft:
| Stufe | Wert |
|---|---|
| Nominalrendite brutto | 4,00% |
| Abzüglich 26,375% Abgeltungsteuer | −1,055 Pp. |
| Nominalrendite netto | 2,945% |
| Abzüglich 3% Inflation (Fisher) | −0,053% |
| Realrendite netto | −0,05% |
Aus 4% wird real fast null. Das beworbene Tagesgeld bringt nach Steuern und Inflation keinen Cent Kaufkraftgewinn — bei höherer Inflation sogar Verluste.
Die Rechnung kippt unter zwei Bedingungen positiv:
Über Jahrzehnte gemittelt zeigt das Credit Suisse / UBS Global Investment Returns Yearbook und die Forschung von Dimson, Marsh und Staunton (London Business School) für 1900 bis 2024 weltweit folgende Größenordnungen — geometrische Realrenditen pro Jahr, gewichtet über 21 Industrieländer:
| Anlageklasse | Realrendite p.a. | Charakter |
|---|---|---|
| Aktien (Welt) | ~5,0% | einzige Klasse mit reproduzierbarer realer Rendite |
| Anleihen Staat lang | ~1,5 – 2,0% | 2022 brachte zweistellige Verluste |
| Geldmarkt / Cash | ~0,5% | im Schnitt knapp über Inflation, oft darunter |
| Gold | ~1,0% | starker Inflationsschutz, hohe Schwankung |
| Wohnimmobilien | ~1,0 – 2,0% | Mietrendite real, ohne Eigenarbeit gerechnet |
Die Aktienzahl ist der wichtigste Befund: Über mehr als ein Jahrhundert hat eine breit gestreute Aktienanlage die Inflation um durchschnittlich rund fünf Prozentpunkte pro Jahr geschlagen. Anleihen lagen in einzelnen Phasen darunter — die Hochinflation der 1970er und das Zinsjahr 2022 haben Anleiheinhabern reale Verluste beschert.
Cash und Sparbuch sind langfristig real nahezu wertstabil, nicht wertsteigernd. Das ist eine andere Botschaft als die meisten Sparer im Kopf haben. Über 30 Jahre wurde aus 100 € Cash etwa 116 € reale Kaufkraft (bei 0,5% real p.a.) — über dieselbe Strecke wurde aus 100 € Aktien etwa 432 € (bei 5% real p.a.).
Wer die Realrendite ignoriert, übersieht den größten Hebel des Vermögensaufbaus. Eine Einmalanlage von 50.000 € bei 6% Nominalrendite und unterschiedlich hoher Inflation, nach 25 Jahren:
| Inflation | Endwert nominal | Endwert real (Fisher) |
|---|---|---|
| 1% | 214.594 € | 167.692 € |
| 2% | 214.594 € | 130.961 € |
| 4% | 214.594 € | 80.474 € |
| 6% | 214.594 € | 50.000 € |
Bei 6% Inflation und 6% Nominalrendite ist der Endwert real exakt der Anfangswert — 25 Jahre Anlage haben null Kaufkraft hinzugewonnen. Bei 2% Inflation entstehen real rund 80.000 € echte Wertsteigerung. Inflation entscheidet über Erfolg oder Stillstand, nicht die Höhe der Nominalrendite allein.
Der VPI bildet einen durchschnittlichen Warenkorb ab. Deine persönliche Inflation kann deutlich abweichen:
Destatis veröffentlicht ergänzend haushaltsspezifische Inflationsraten für Familien, Singles, Alleinerziehende, Rentner und einkommensschwache Haushalte. Wer die eigene Realrendite seriös bestimmen will, sollte die persönliche statt der allgemeinen Rate verwenden.
Brutto-Nominalrendite minus Inflation rechnen. Steuern werden vergessen. Aus 4% Tagesgeld werden nach Steuern rund 2,95% — die korrekte Realrendite zieht erst dann die Inflation ab.
Persönliche Inflation und VPI verwechseln. Wer in einer Großstadt zur Miete wohnt, hat oft eine deutlich höhere Inflation als der bundesweite Durchschnitt.
Einjahres- und Mehrjahresrenditen mischen. +20% in einem Jahr und 6% p.a. über zehn Jahre sind nicht direkt vergleichbar. Für Mehrjahresvergleiche immer die annualisierte Nominalrendite (CAGR) und die durchschnittliche Inflation derselben Periode nutzen.
Negative Realrendite ignorieren. Auch eine kleine negative Realrendite über zehn oder zwanzig Jahre frisst kumuliert beträchtliche Kaufkraft. −1% real p.a. über 20 Jahre bedeutet rund 18% Kaufkraftverlust auf das Endvermögen.
Dies ist keine Anlageberatung. Welche Anlageklasse zu dir passt, hängt von Anlagehorizont, Risikotoleranz und Zielen ab — die Mathematik der Realrendite ist nur eine Eingangsgröße.
Aufgabe 1 — Tagesgeld bei moderater Inflation. 25.000 € Tagesgeld zu 3% p.a., Inflation 4%, Pauschbetrag ausgeschöpft.
Aufgabe 2 — ETF historisch nach Steuern und Inflation. MSCI World Aktien-ETF mit 8% Nominalrendite, Aktien-Teilfreistellung 30%, Abgeltungsteuer 26,375% auf 70%, Inflation 2,5%.
Aufgabe 3 — Festgeld fünf Jahre. 50.000 € Festgeld zu 4,2% p.a., Laufzeit 5 Jahre, Inflation durchschnittlich 2,8%, Pauschbetrag ausgeschöpft.
Aufgabe 4 — Vergleich Aktien vs. Anleihen 2010 bis 2024. Annahme: MSCI World rund 9,5% nominal p.a., Bundesanleihen lang rund 1,8% nominal p.a., Inflation Eurozone durchschnittlich rund 2,0% p.a.
Über 15 Jahre verdoppelte sich Aktienvermögen real fast dreimal, Anleihevermögen verlor real leicht. Die Periode ist nicht repräsentativ — das Niedrigzinsumfeld 2010 bis 2021 war für Anleihen historisch ungünstig.