Kurs ist von 100 € auf 125 € gestiegen?
+25%.
Berechne, um wieviel Prozent sich ein Wert von A zu B verändert hat — Zunahme oder Abnahme.
Kurs ist von 100 € auf 125 € gestiegen?
+25%.
Umsatz fiel von 12.000 € auf 9.600 €?
−20%.
Aktie von 42 € auf 63 € gestiegen?
+50%.
Gehalt von 2.800 € auf 2.940 € erhöht?
+5%.
Drei Jahre Inflation mit 2%, 3% und 2,5% — kumulierte Veränderung?
+7,69% (1,02 × 1,03 × 1,025 = 1,076865).
Die prozentuale Veränderung misst, wie stark ein Wert von einem Zeitpunkt zum nächsten gewachsen oder geschrumpft ist. Die Formel lautet:
Prozentuale Veränderung = (Endwert − Anfangswert) ÷ Anfangswert × 100
Der Zähler ist die absolute Differenz. Der Nenner ist der Anfangswert. Das Ergebnis ist dimensionslos und wird in Prozent ausgedrückt.
Beispiel: Ein Kurs steigt von 200 € auf 230 €.
Warum teilen wir durch den Anfangswert und nicht durch den Endwert? Weil wir wissen wollen, wie groß die Veränderung relativ zum Ausgangspunkt ist. Der Anfangswert ist die Bezugsgröße. Er entspricht 100%. Der Endwert ist das Ergebnis einer Bewegung, nicht der Maßstab.
Würde man durch den Endwert teilen, entstünde eine verzerrte Kennzahl. Beispiel 200 € → 230 €: Eine Division durch 230 ergäbe 30 ÷ 230 = 13,04%. Das ist aber nicht die Wachstumsrate. Es ist der Anteil der Differenz am neuen Wert. Zwei völlig verschiedene Aussagen.
Die Regel ist einfach: Alles, was wächst oder schrumpft, wird auf seinen Startpunkt bezogen. Eine Aktie, ein Gehalt, ein Umsatz, eine Temperatur. Der erste Messwert ist die Basis.
Eine Zunahme liegt vor, wenn der Endwert größer ist als der Anfangswert. Das Ergebnis ist positiv.
Beispiel: Dein Stundenlohn steigt von 80 € auf 100 €.
Der Lohn ist also um 25% gestiegen. Nicht um 20%, auch wenn die Differenz 20 beträgt. Absolute Differenz und prozentuale Veränderung sind zwei Paar Schuhe.
Typische Anwendungen für eine Zunahme:
Merksatz für Zunahmen: Die Differenz ist klein, der Prozentsatz kann groß sein. 20 € Unterschied sind bei einem Ausgangswert von 80 € eine Zunahme von 25%. Bei einem Ausgangswert von 2.000 € wären dieselben 20 € nur +1%. Die Bezugsgröße entscheidet.
Eine Abnahme liegt vor, wenn der Endwert kleiner ist als der Anfangswert. Das Ergebnis ist negativ.
Beispiel: Ein Artikel wird von 100 € auf 80 € reduziert.
Der Preis ist um 20% gesunken. Negative Ergebnisse zeigen Rückgänge an. Das Minuszeichen ist Teil der Aussage.
Typische Anwendungen für eine Abnahme:
Wichtig bei der Lesart: Ein Rabatt von 20% und ein Preisrückgang von 20% bedeuten dasselbe. Ein Rabatt auf 20% meint jedoch, dass der Endpreis nur noch 20% des Originals beträgt, also −80%. Formulierungen in Werbetexten sind manchmal mehrdeutig. Die Formel schafft Klarheit.
Ein weit verbreiteter Denkfehler: Wenn ein Wert zuerst um 20% steigt und danach um 20% fällt, landet er am Ausgangspunkt. Das stimmt nicht.
Rechnen wir nach. Startwert 100 €.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Anfang | — | 100,00 € |
| +20% | 100 × 1,20 | 120,00 € |
| −20% | 120 × 0,80 | 96,00 € |
| Gesamt | 96 − 100 | −4,00 € (−4%) |
Nach zwei Bewegungen liegt der Wert bei 96 €. Also 4% unter dem Startwert, nicht bei 100.
Warum? Weil die zweite Veränderung auf einer neuen Bezugsgröße arbeitet. Die 20% Abnahme wirkt auf 120 €, nicht auf 100 €. 20% von 120 sind 24. 120 − 24 = 96.
Mathematisch: (1 + 0,20) × (1 − 0,20) = 1,20 × 0,80 = 0,96. Das Produkt ist immer kleiner als 1, sobald eine Zunahme und eine gleich große Abnahme aufeinander folgen.
Die Faustregel: Gleich große prozentuale Bewegungen in entgegengesetzte Richtungen hinterlassen immer einen Nettoverlust. Je größer die Prozente, desto größer der Verlust.
| Bewegung | Endfaktor | Netto |
|---|---|---|
| +10% dann −10% | 1,10 × 0,90 | 0,99 (−1%) |
| +20% dann −20% | 1,20 × 0,80 | 0,96 (−4%) |
| +50% dann −50% | 1,50 × 0,50 | 0,75 (−25%) |
| +100% dann −100% | 2,00 × 0,00 | 0,00 (−100%) |
Praktische Folge an der Börse: Eine Aktie, die 20% verliert, braucht 25%, um wieder am Ausgangspunkt zu landen. Nicht +20%. Denn 80 × 1,25 = 100. Anleger unterschätzen diese Asymmetrie regelmäßig.
Die wichtigste Unterscheidung in Finanz-, Wahl- und Wirtschaftsberichten:
Beispiel Zinssatz: Die Bank erhöht ihren Zinssatz von 2% auf 3%.
Beide Aussagen stimmen, beschreiben aber unterschiedliche Dinge. Die Presse berichtet oft "+1%", gemeint sind aber Prozentpunkte. Für Sparer ist der Unterschied enorm: Ein Zinssatz, der sich um 50% erhöht, klingt nach einer großen Veränderung. Ein Zinssatz, der um 1 Prozentpunkt steigt, klingt harmlos. Es ist derselbe Sachverhalt.
Beispiel Wahlergebnis: Eine Partei kommt von 15% auf 18%.
„Die Partei legt 3 Prozentpunkte zu" ist korrekt. „Die Partei gewinnt 20% dazu" ist auch korrekt. „Die Partei legt 3% zu" wäre falsch formuliert und führt Leser in die Irre.
Faustregel: Sobald du zwei Prozentwerte vergleichst, rechnest du entweder in Prozentpunkten (absolut) oder in Prozent (relativ). Nie beide Einheiten mischen.
In Excel oder Google Sheets lässt sich die Formel in einer einzigen Zelle berechnen. Annahme: Anfangswert steht in A2, Endwert in B2.
| Variante | Formel | Ergebnisformat |
|---|---|---|
| Standard | `=(B2-A2)/A2` | Zelle als Prozent formatieren |
| Kurz | `=B2/A2-1` | Zelle als Prozent formatieren |
| Als Text | `=TEXT((B2-A2)/A2;"+0,00%;-0,00%")` | Text mit Vorzeichen |
Ohne Prozentformatierung liefert Excel einen Dezimalwert. `0,25` bedeutet +25%. Der Klick auf das Prozent-Symbol in der Menüleiste (oder Strg+Shift+5) multipliziert den Wert automatisch mit 100 und hängt das %-Zeichen an.
Stolperfalle #DIV/0!: Sobald der Anfangswert in A2 gleich 0 ist, wird die Division unmöglich. Excel gibt `#DIV/0!` aus. Abfangen lässt sich das so:
`=WENN(A2=0;"";(B2-A2)/A2)`
Oder moderner mit `WENNFEHLER`:
`=WENNFEHLER((B2-A2)/A2;"")`
Bei englischen Excel-Versionen heißt die Funktion `IF` bzw. `IFERROR`, das Semikolon wird zum Komma. Die Logik bleibt identisch.
Für eine ganze Spalte Wachstumsraten einfach die Formel nach unten ziehen. Die Bezüge A2 und B2 wachsen automatisch mit.
Vier typische Szenarien, vier einmal durchgerechnete Beispiele.
Aktien. Du hast eine Aktie für 42 € gekauft. Heute steht sie bei 63 €. Deine Rendite: (63 − 42) ÷ 42 × 100 = +50%. Ohne Dividenden und Gebühren. Wichtig: Der Einstandspreis ist die Bezugsgröße. Wenn du später nachkaufst, musst du den Durchschnittspreis neu berechnen, sonst liefert die Formel falsche Renditen.
Gehalt. Dein Bruttogehalt war 2.800 € pro Monat. Nach der Verhandlung sind es 2.940 €. Erhöhung: (2.940 − 2.800) ÷ 2.800 × 100 = +5%. Vor Steuern, vor Sozialabgaben. Die Nettoerhöhung fällt wegen der Progression meist kleiner aus als die Bruttoerhöhung. Wer in eine höhere Steuerklasse rutscht, landet effektiv bei vielleicht +3,2%.
Umsatz. Ein Shop hatte im Vorjahresquartal 120.000 € Umsatz. Dieses Quartal sind es 138.000 €. Wachstum: (138.000 − 120.000) ÷ 120.000 × 100 = +15%. Für Quartalsvergleiche ist die Year-over-Year-Methode (YoY) Standard. Sie filtert Saisoneffekte heraus, weil Q2 2025 mit Q2 2024 verglichen wird, nicht mit Q1 2025.
Inflation. Ein Warenkorb kostet heute 102,50 €. Vor einem Jahr kostete er 100 €. Inflation: (102,50 − 100) ÷ 100 × 100 = +2,5%. Das ist die offizielle Inflationsrate. Die deutsche Statistik (Destatis) berechnet sie auf Basis eines festen Warenkorbs mit über 650 Gütern. Die gleiche Formel, nur mit aggregierten Daten.
Was passiert, wenn mehrere prozentuale Veränderungen nacheinander wirken? Addieren reicht nicht. Die Mathematik verlangt Multiplikation.
Allgemeine Formel für zusammengesetzte Wachstumsraten:
Endfaktor = (1 + r₁) × (1 + r₂) × (1 + r₃) × … × (1 + rₙ)
Dabei ist r jeweils die prozentuale Veränderung als Dezimalwert. +3% wird zu 0,03. −5% wird zu −0,05.
Beispiel Inflation über 3 Jahre: 2,0% im ersten Jahr, 3,0% im zweiten, 2,5% im dritten.
Die kumulierte Inflation beträgt also 7,69%, nicht +7,5% (die Summe der Jahresraten). Auf 1.000 € Ersparnis fehlen nach drei Jahren Kaufkraft in Höhe von 76,87 €.
Beispiel Aktie mit Wechseln: +10%, −5%, +8% in drei Jahren.
Die Aktie liegt nach drei Jahren 12,86% über dem Einstand. Die simple Summe (+10 − 5 + 8 = +13%) wäre leicht zu hoch. Bei kleinen Prozenten ist der Fehler gering, bei großen Prozenten explodiert er.
Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR, Compound Annual Growth Rate) lässt sich aus dem Endfaktor zurückrechnen:
CAGR = (Endfaktor)^(1 ÷ Jahre) − 1
Für unser Aktienbeispiel: 1,1286^(1/3) − 1 = 0,04117 = 4,12% pro Jahr im Durchschnitt. Diese Zahl ist der faire Maßstab, um die Performance verschiedener Investments über unterschiedlich lange Zeiträume zu vergleichen.
Merksatz: Prozentuale Veränderungen addiert man nie, man multipliziert Faktoren. Die Abweichung zwischen Summe und Produkt ist das Zinseszinsprinzip.